Vereinsgeschichte des Kirchenmusikvereins Osthofen e.V.
Die Gründung des Kirchenmusikvereins Osthofen
Eine eher unbefriedigende Musikbegleitung der ersten Fronleichnamsprozessionen nach dem Krieg bewog den Rheindürkheimer Oberlehrer und Leiter des katholischen Kirchenchores "Cäcilia", Wilhelm Stauder, an die Gründung einer Kirchenmusik zu denken, deren Zweck es sein sollte, bei kirchlichen Anlässen für eine würdige musikalische Begleitung zu sorgen. Aus den Reihen des Kirchenchores erklärten sich Helmut Degünther aus Osthofen und Werner Strieth aus Rheindürkheim bereit, beim Aufbau eines Bläserchores mitzuwirken. So traf man sich schon im Oktober 1950 zu ersten vorbereitenden Gesprächen.
Die Beschaffung der notwendigen Blasinstrumente stellte die Gründer vor die größten Probleme. Außerdem hatte keiner der Gründungsmitglieder Ahnung davon, wie ein Blasinstrument erlernt wird. So erkundigte man sich bei den Musikern in der Umgebung und setzte sich mit dem Diözesanverband für Bläserchöre des Bistums Mainz in Verbindung. Da weder der Kirchenchor noch die Pfarrgemeinde ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung hatte, wurden die ersten Instrumente von Spenden der Musiker gekauft, wobei der Großteil von Helmut Degünther, dem 1. Vorsitzenden des Osthofener Kirchenchores, angeschafft wurde. Aus Orgelbüchern und von geliehenen Noten wurde das benötigte Notenmaterial abgeschrieben und so konnte schon Ende des Jahres 1950 mit den ersten Proben begonnen werden.
Anfangs führte man getrennte Proben durch. Die Osthofener Musiker übten im Elternhaus von Helmut Degünther und die Rheindürkheimer bei Werner Strieth. Da Anfangs noch nicht genügend Instrumente zur Verfügung standen, mussten mehrere Musiker diese mit anderen teilen. Die erste gemeinsame übungsstunde fand dann am 12.02.1951 in Rheindürkheim statt. Bis zum Jahre 1958 wurde der "Bläserchor Osthofen- Rheindürkheim" als selbständige Abteilung des Kirchenchores "Cäcilia" geführt. Am 09.03.1958 fand dann in Osthofen die Versammlung zur Umbenennung des Bläserchors in den "Kirchenmusikverein Osthofen" statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde der seitherige Geschäftsführer des "Bläserchors", Herr Helmut Degünther, gewählt.
Erste Auftritte
Unter dem Dirigenten Wilhelm Stauder, der die Kapelle bis 1957 bei kirchlichen Anlässen leitete, fanden die ersten Auftritte bereits im Gründungsjahr 1951 statt. Erstmalig stellten sich die Musiker anlässlich der Fronleichnamsprozession am 24.05.1951 der öffentlichkeit vor. Der Besuch des Diözesanmusikfestes 1952 in Oppenheim und die Teilnahme am Katholikentag in Worms seien hier ebenfalls erwähnt.
Daneben wurde in diesen Jahren häufig bei Geburtstagen, Hochzeiten und Jubiläen musiziert, wodurch auch die Vereinskasse gefüllt werden konnte. Zusammen mit dem evangelischen Posaunenchor wurde in den Jahren bis 1958, als "Feuerwehrkapelle Osthofen", auch die weltliche Blasmusik gepflegt.
Aufbaujahre
Dem 1. Vorsitzenden Helmut Degünther standen Alfred Kluth als 2. Vorsitzender, Elli Schuch als Schriftführerin und Karl Diehm als Kassierer im Vorstand zur Seite. Der aktive Musiker Simon Vief übernahm im gleichen Jahr das Amt des Dirigenten im KMV, er konnte auch die ersten Schlagzeuger in die Kapelle integrieren. Außerdem konnte der Kirchenmusikverein das erste Mal beim Winzerfestumzug mitwirken.
Am 23.04.1961 wurde das 10-jährige Bestehen gefeiert. In diesem Jahr zählte der Kirchenmusikverein bereits 15 aktive und 56 fördernde Mitglieder. Seit dieser Zeit wurde auch vermehrt die Geselligkeit gefördert. So wurden erste Vereinsausflüge, Grillfeste und Kameradschaftsabende organisiert. Außerdem wurde die Weihnachtsfeier in diesen Tagen ins Leben gerufen.
Die Aktiven traten nun auch häufiger außerhalb Osthofens in Erscheinung. Besonders zu erwähnen ist die Teilnahme am Rosenmontagsumzug in Mainz. In den Jahren 1964 bis 1971 wirkte der Kirchenmusikverein als Gardekapelle der Mainzer Prinzengarde mit.
Außerdem wurde beim Backfischfestumzug in Worms, dem Westhofener Traubenblütenfest und dem Rheinperlenfest in Rheindürkheim musiziert.
Weitere nennenswerte Auftritte waren beim Deutsch- Amerikanischen Frühlingsfest in Worms von 1975-1983 sowie das Internationale Frühschoppenkonzert anlässlich des Wonnegauer Winzerfestes. Die Arbeit des Dirigenten Simon Vief brachte die ersten Erfolge. So konnten in den Jahren 1964/1965 zahlreiche Jugendliche in den Verein aufgenommen werden, die teilweise noch heute aktiv musizieren. Geübt wurde wieder bei Helmut Degünther, der zu diesem Zweck sein Wohnzimmer in einen Proberaum umfunktionierte.
Nachdem Simon Vief Ende 1973 sein Dirigentenamt aus Altersgründen niederlegte, übernahm Helmut Degünther auch diese Funktion. Noch im gleichen Jahr musste er jedoch aus gesundheitlichen Gründen das Amt an den aktiven Musiker Hans-Joachim Eberhardt aus Alsheim übergeben. Unter dessen Leitung wurden erstmals auch moderne Musikstücke einstudiert und öffentlich aufgeführt. Auch in seiner Amtszeit konnten zahlreiche Jugendliche für den Verein gewonnen werden.
Abermals war es Helmut Degünther, der im Jahr 1977 das Amt des Dirigenten übernahm. Im Jahr 1978 übernahm Franz- Josef Fleck das Amt des 1.Vorsitzenden, der die Vereinsarbeit zielbewusst und kontinuierlich fortführte. Neben der Feier des 30-jährigen Bestehens im Jahr 1981, fällt die Verpflichtung des ersten bezahlten Dirigenten, Mathias Loris jun. in seine Amtszeit (1984). Eine Entscheidung, die innerhalb des Vereins nicht unumstritten war. Allerdings hat die Entwicklung dem damaligen Vorstand Recht gegeben. Unter der Leitung von Mathias Loris konnte die KMV-Musikschule gegründet werden. Bereits 1990 konnten die ersten Musiker in das Orchester aufgenommen werden, die in der eigenen Musikschule ausgebildet wurden. Am 27.01.1984 wurde der Kirchenmusikverein Osthofen als eigenständiger Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Worms eingetragen, wodurch sich eine neue Satzung ergab.
Neben den Vereinsfeierlichkeiten wie Weihnachtsfeier, Fastnacht und Kameradschaftsabenden wurde unter der Regie von Franz-Josef Fleck, zusammen mit dem MGV 1845 Osthofen, das "Altstadtfest" ins Leben gerufen.
Seit dem Jahr 1983 organisierte der Vergnügungsausschuss alle 2 Jahre einen mehrtägigen Vereinsausflug. Diese führten die aktiven und eine große Anzahl fördernder Mitglieder nach Oberstdorf (1983), Laudenbach bei Rothenburg ob der Tauber (1985) und in den Bayerischen Wald im Jahr 1987. Im Jahr 1989 ging die Fahrt nach St. Martin und zwei Jahre später war das Ziel die Lüneburger Heide und Hamburg. Der erste Besuch der französischen Partnergemeinde Osthofens, Mirebeau im Burgund, fand im Jahr 1993 statt. Ein herausragendes Ereignis war 1996 der Besuch bei den Musikfreunden in Menznau in der Schweiz. Mit der dortigen "Feldmusik" pflegt der KMV schon seit 1993 ein freundschaftliches Verhältnis.
Aus den anfänglichen Konzertbesuchen einiger Musiker und der Familie Hänel hat sich mittlerweile eine innige Freundschaft entwickelt, deren Höhepunkt der Besuch der Feldmusik beim Wonnegauer Winzerfest 1995 bildete. Außerdem konnte der Kirchenmusikverein im Jubiläumsjahr der Feldmusik, 2006, einen Konzertabend mitgestalten.
Zum Lobe Gottes... und zur Freude der Menschen
Erste Pflicht des Kirchenmusikvereins ist das Musizieren zum "Lobe Gottes" bei verschiedenen sakralen Anlässen. Mehr als 20 kirchliche Anlässe werden durch den KMV im Kirchenjahr mitgestaltet. Hierzu zählt das Musizieren in den Gottesdiensten, besonders zu den kirchlichen Hochämtern, sowie bei Patronatsfesten, Erstkommunionen, Goldenen Kommunionen und der jährlichen Fronleichnamsprozession. Gefordert sind die Musikerinnen und Musiker aber nicht nur in der Osthofener, sondern auch in der Bechtheimer und der Rheindürkheimer Kirchengemeinde. Zu den liturgischen Anlässen kommen noch zahlreiche Auftritte im weltlichen Bereich in und um Osthofen, von denen hier nur einige genannt werden sollen:
- das jährliche Konzert in der katholischen Pfarrkirche Osthofen am 2. Advent
- Anlässe der Stadt Osthofen, wie z.B. die Seniorenweihnachtsfeier der Stadt Osthofen, der Winzerfestumzug, der Heimatnachmittag
- Auftritte bei Festen der Osthofener Ortsvereine, wie beim "Tag der offenen Tür" der freiwilligen Feuerwehr
- Fastnachtsumzüge in Abenheim und Bechtheim
- Festumzüge in Westhofen, Rheindürkheim und Bockenheim
- Pfarrfeste in Osthofen, Rheindürkheim und Bechtheim
- Frühschoppenkonzerte
Zu diesen Anlässen kommen noch die wöchentlichen Proben, Satzproben und seit 1986 das Probewochenende zur Vorbereitung des Jahreskonzertes hinzu. Das gesellige Zusammensein wird beim Kirchenmusikverein aber auch gepflegt. So organisiert der Verein im Verlauf des Jahres zahlreiche Veranstaltungen für seine Mitglieder und für die Allgemeinheit, wie zum Beispiel:
- die jährliche Vereinsweihnachtsfeier im Vereinsheim
- KMV- Fastnacht und Kinderfastnacht
- das Biergartenfest anlässlich des Osthofener Marktes
- die Nacht der Spiele und den Jugendausflug für unsere Musikschüler
Bau des Vereinsheimes
Nachdem der Raumbedarf der KMV- Musikschule immer mehr Probleme aufwarf, da das katholische Gemeindezentrum nicht unbegrenzt zur Verfügung stand und bereits an einem Tag in der Woche im Bürgerhaus Proben abgehalten werden mussten, begann unter den Aktiven und dem Vorstand der Plan zu reifen, ein eigenes Vereinsheim zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die katholische Kirchengemeinde den an das Gemeindezentrum angrenzenden Garten gekauft und man befand dieses Grundstück als idealen Standort für ein Vereinsheim.
So wurden nach den übungsstunden Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Zwischenzeitlich wollte man an das katholische Gemeindezentrum anbauen, bis der Entschluss reifte, im Pfarrgarten einen Neubau zu errichten. Jürgen Vatter wurde beauftragt, einen Bauplan zu erarbeiten, der dem Verwaltungsrat der Kirchengemeinde vorgelegt werden sollte. Dies geschah dann auch und die Zustimmung der Kirchengemeinde schien nur noch reine Formsache zu sein.
Da auf Kirchengelände gebaut werden sollte, musste aber auch das bischöfliche Ordinariat gefragt werden. Und da begannen auch schon die ersten Schwierigkeiten. Der Denkmalschutz trat auf den Plan. Dadurch verzögerte sich die Baugenehmigung durch die Kreisverwaltung Alzey- Worms. Schnell waren zwei Jahre der Planung vergangen. Im Verlauf des Jahres 1993 nahm das Projekt Vereinsheimbau allerdings einen unerwarteten Verlauf. Dem Verein wurde überraschend ein an den Pfarrgarten angrenzendes Grundstück zum Kauf angeboten. Es handelte sich um eine ältere Scheune mit angebautem Flaschenlager. Die Verantwortlichen waren sich schnell einig, dass man das Angebot annehmen sollte. Ein Plan für den Umbau wurde in Auftrag gegeben und Anfang des Jahres 1994 konnte mit den Arbeiten begonnen werden.
Durch die fleißigen Hände zahlreicher freiwilliger Helfer wurden die bestehenden Gebäude innerhalb von zwei Jahren in einem Arbeitseinsatz von insgesamt 6.000 Stunden in ein doppelstöckiges, freundliches Gebäude verwandelt. Die Räumlichkeiten mit einer Gesamtfläche von 235 m2 eignen sich hervorragend für die Proben der Blaskapelle und die Jugendausbildung. Die 200.000 DM Grundstücks- und Baukosten brachte der Verein zum größten Teil selbst auf. Die Stadt Osthofen bezuschusste den Bau mit 10% der Baukosten. Vom 30.06. bis 02.07.1995 fanden dann die Einweihungsfeierlichkeiten statt. Nach der Sommerpause konnten dann die ersten Proben im neuen Domizil abgehalten werden.
Im Jahr 2001 wurden neue Uniformen angeschafft um das 50jährige Jubiläum würdig feiern zu können. Ein ganzes Wochenende wurde getanzt, gesungen und gelacht. 2004 beging Mathias Loris sein 20jähriges Dirigentenjubiläum beim Kirchenmusikverein. Zu diesem Anlass wurde zum ersten Mal beim Jahreskonzert in der St. Remigiuskirche ein Marsch gespielt, der von seinem Großvater Mathias Loris sen. komponiert worden ist ("Gruß aus Jahrmarkt"). Ebenfalls in der katholischen Kirche konnte zwei Jahre später ein weiteres Jubiläum begangen werden: das 20. Jahreskonzert ließ noch einmal die besten Stücke seit dem Jahre 1986 aufleben.
Ein weiteres Highlight war die Gestaltung eines Festgottesdienstes im Dom zu Speyer 2007. Der Hall in der riesigen Kathedrale war für Musiker und Gottesdienstbesucher überwältigend. In solch einem großen Kirchenschiff zu spielen war ein einmaliges Erlebnis. Der Kirchenmusikverein Osthofen hat sich mittlerweile zu einem festen Bestandteil im städtischen Vereinsleben entwickelt. Maßgeblichen Anteil an dieser positiven Entwicklung hat sicherlich unser Dirigent Mathias Loris, der dieses Amt nun schon über 20 Jahre begleitet, und mit seiner Arbeit für die gebotene Kontinuität in diesem Amt gesorgt hat.
Eng mit seinem Namen ist der Aufbau der vereinseigenen Musikschule verbunden, die Herr Loris neben seiner Dirigententätigkeit vorantreibt. Weiterer Ausdruck kontinuierlicher Weiterentwicklung in den letzten Jahren ist eine auf über 350 Personen angewachsene Mitgliederzahl. Insgesamt 58 aktive Musiker mit einer guten Altersstruktur bieten die Gewähr für die zukunftsorientierte Förderung und Pflege der kirchlichen und weltlichen Musik älterer und neuerer Zeit.